Donnerstag, 12. Juni 2008
Ärztefehler durch wachsenden Streß
Wie die Bundesärztekammer bestätigte nahmen die Kunstfehler im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr zu. Mehr als 10.000 Patienten suchten Rat bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammer Deutschland, um vermutete Behandlungsfehler abzuklären. Dies waren 1,5 Prozent ehr als im Vorjahr. Rund 30.000 Anfragen von vermeintlich fehlbehandelten Patienten erhielten Gerichte, Krankenkassen und Haftpflichtversicherer. Da es hier keine genauen Statistiken gibt und auch Behandlungsfehler von Patienten zum Teil nicht gemeldet werden, kann eine konkrete Zahl von Behandlungsfehlern nicht beziffert werden.
Die Schiedsstelle der Ärztekammer Deutschland konnte circa zwei Drittel der eingehenden Beschwerden klären. Davon waren 2.095 Fälle in denen die Ärztekammer im außergerichtlichen Verfahren Behandlungsfehler durch den Arzt feststellen musste. Bei 1.717 Patienten wurden nicht reparable gesundheitliche Schäden festgestellt. So wurde 1.717 Patienten im außergerichtlichen Verfahren Schadenersatz zugesprochen, für den der behandelnde Arzt aufkommen musste bzw. dessen Haftpflichtversicherung.
Die Vermutung, dass die Dunkelziffer weit aus höher liegt als angenommen wird von den Verbraucherschützern gestützt. Denn immer öfter werden Fälle nicht begutachtet, weil der Nachweis eines Behandlungsfehlers oft sehr schwierig ist und so oft nicht einwandfrei nachgewiesen werden kann. Für Patienten stellt sich auch oft die Schwierigkeit einen unabhängigen Gutachter aus de medizinischen Bereich zu bekommen. Auch gibt es immer wieder gerade bei älteren Patienten Fälle, in denen die Patienten den Ärger und Aufwand scheuen gegen ihren Arzt vorzugehen. Besonders ein langes Gerichtsverfahren wird von Patienten nur ungerne in Kauf genommen und so bleiben viele Fälle im Dunklen und können in keiner Statistik festgehalten werden.
Bei 400 Millionen Behandlungen in ärztlichen Praxen und 17 Millionen Behandlungen in Kliniken ist die Fehlerquote zwar relativ gering, doch sollten die Ursachen des ärztlichen Versagens nicht verschwiegen werden. Der Druck auf niedergelassene und auch in Kliniken arbeitende Ärzte wächst von Jahr zu Jahr mehr. Ärzte haben immer längere Arbeitszeiten und kaum mehr Ruhezeiten, während sie zunehmend auch Existenzängste quälen. Um in der harten Welt der Medizin bestehen zu können müssen Ärzte häufig an die eigenen Grenzen der Belastbarkeit gehen. Sowohl körperlich als auch seelisch wagen viele Ärzte den Balanceakt zwischen medizinischen und wirtschaftlichen Aspekten und versuchen dem Stress stand zu halten. Behandlungsfehler durch Übermüdung und Zeitmangel sind deshalb in der Mehrzahl. Behandlungsfehler aus Unachtsamkeit oder Unwissen heraus entstanden gibt es kaum. Weder Patienten noch Ärzte sind Schuld an dem Desaster, denn seit der Einführung der zwei Klassen-Medizin versickert immer mehr Geld in eine unnötige Verwaltung und somit werden ärztliche Leistungen langsam aber sicher zum Luxus für Besserverdiener. Der normale Patient bleibt oft auf der Strecke, da Ärzte in der Zwangslage sind ihr Einkommen zu sichern und dies nur durch eine hohe Anzahl an Privatpatienten möglich ist. Besonders junge Ärzte die oft teure Kredite für Praxiseinrichtung und Untersuchungsgeräte abzahlen müssen, trifft die soziale Ungerechtigkeit im medizinischen Sektor.

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