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Sonntag, 20. Juli 2008
"baby watching" hilft agressiven Kindergartenkindern
Die Idee stammt ursprünglich aus den USA und wurde von Henry Parens entwickelt, einem Kinderanalytiker und Aggressionsforscher aus Philadelphia, der es sich zum Ziel gesetzt hat, aggressive Verhaltensstörungen bereits bei Kindern im Kindergartenalter zu begnen und sich allgemein gegen Hass und Rassismus zu stellen. Selbst Opfer einer traumatischen Kindheit, als er mit 12 Jahren aus Belgien nach Frankreich in die USA flüchten musste und während seiner Flucht in einem südfranzösischen Internierungslager seine Mutter verlor, die anschliessend 1942 in Auschwitz ermordet wurde, beschloss er, Wege zu finden, die Kindern ermöglichen, mit ihrer Aggression fertigzuwerden.
Seine Methode wurde von OA Dr. Karl-Heinz Brisch am Haunerschen Kinderspital in München aufgegriffen und in einem Modellversuch umgesetzt, ab Herbst wird das „B.A.S.E Babywatching“ mit Hilfe der Caritas Erziehungsberatungsstelle im Landkreis eingeführt. Der Modellversuch hat eindeutig gezeigt, dass bei Kindern, die einmal die Woche eine halbe Stunde lang ein Baby beobachten, und seine Interaktionen mit der Mutter, die Aggressionstendenzen abnehmen, ebenso wie Ängste und das Einfühlungs- und Empathievermögen der Kinder deutlich zunimmt. Bereits von Dr. Parens wurde der Effekt beschrieben, und auch analytisch erklärt. Es scheint fast, als würde diese Interaktion zwischen Mutter und Baby manchen Kindern schon allein durch das Beobachten das geben zu können, was sie selber nie oder nicht ausreichend erfahren konnten.
Die Arbeit von Dr. Brisch wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert zeigt deutlich die erzielbaren Erfolge – die Kinder können sich nicht nur in Mutter und Kind empathischer einfühlen, sondern beginnen auch, die gesteigerte Empathiefähigkeit in ihren eigenen persönlichen Beziehungen umzusetzen und auf alltägliche Situationen zu übertragen. Das Sozialverhalten ebenso wie die Ängste bessern sich bei den Kindern deutlich, die Ichbezogenheit gerade der aggressiven, verhaltensauffälligen Kindern tritt zurück zugunsten eines mehr sozialen und gemeinschaftlich orientierten Verhaltens. Das verfügbare Verhaltensrepertoire wird um nicht-aggressive Verhaltensweisen bereichert und ermöglicht den Kindern, in bestimmten Situationen auch nicht aggressiv zu reagieren, und sich somit in ihrem Sozialverhalten einen großen Schritt weiterzuentwickeln.
Im Herbst ist geplant, die Kindergärten im Landkreis anzuschreiben und zu informieren, so Gertrud Wölke von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas. Auch ein Video gibt es, das die Veränderungen im Sozialverhalten auffälliger und aggressiver Kinder überraschend deutlich zeigt. Vor allem sei die Methode recht einfach und kostengünstig und vor allem zeitlich gut einsetzbar, als Prävention dennoch von unschätzbarem Wert, meint Wölke. Für die Erzieherinnen gibt es einen Fortbildungstag bei Dr. Brisch, um B.A.S.E – Gruppenleiterin zu werden. Weitere Schulungen zur B.A.S.E. Mentorin werden ebenfalls angeboten, Mentoren dürfen auch Supervision für Gruppenleiterinnen anbieten.
Erste Umsetzungen haben eine große Resonanz erzeugt, auch die Eltern scheinen von dem Ansatz begeistert zu sein. Eigentlich erstaunlich, mit welch einfachen Dingen man oft schwierig zu handhabenden Problemen erfolgreich begegnen kann.

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